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7. Video-Stammtisch des Industrievereins Langenfeld

Zum inzwischen siebten Mal mussten sich die Mitglieder des Industrievereins Langenfeld am Donnerstagabend mit einem virtuellen Gedankenaustausch begnügen. Fast 60 Mitglieder folgten dem von Michael Becher moderierten Informationsaustausch. Bürgermeister Frank Schneider und Landrat Thomas Hendele gaben ein Update zur Corona-Situation und zur Haushaltslage; Stefan Figge, seit November 2020 Stadtwerke-Chef stellte sich vor und referierte über seine Pläne zur Entwicklung der Stadtwerke.

Die interessantesten Aussagen hier in der Zusammenfassung:

Corona

Langenfeld zeigt seit Wochen die höchsten Fallzahlen im Kreis, aktuell 117 Erkrankte, bisher 38 Verstorbene. Es gibt – abgesehen von zwei Ausbrüchen in Altenheimen – keine „Hotspots“. Die Fälle zeigen kreisweit keine Auffälligkeiten nach Nationalitäten oder Altersgruppen. In 25 % der aktuellen Fälle ist die britische Virus-Mutante nachgewiesen, am Donnerstag allein in 71 Fällen. Der Kreis Mettmann hat im NRW-Vergleich die zweithöchste Zahl Verstorbener, die meisten davon im Alter 80 plus. 30 % der Erkrankten waren/sind Heimbewohner. Kritisch bleibt die Lage in den Krankenhäusern der Region. Die Häuser in Velbert und Langenfeld konnten zwei Wochen keine Patienten mehr aufnehmen. Von den 49 Betten kreisweit, in denen Patienten beatmet werden können, waren nur noch 9 frei. Mit der endlich eingeführten Pflicht, alle Heimbesucher, auch Handwerker, Lieferanten vor Betreten der Heime zu testen, hofft man, weitere Infektionen zu vermeiden.

Alle Heimbewohner des Kreises sind inzwischen erstgeimpft. In Erkrath werden täglich 275 Menschen mit dem Biontech/Pfizer-Serum geimpft. Möglich wären täglich 1.680! Impfungen. Der Kreis bekommt –entsprechend seiner Bevölkerungszahl - 2,7 % der für NRW vorgesehen Impfstoffe. Niemand beim Kreis kann seriös sagen, wann welche Menge folgt. Erst dann, können neue Termine vergeben werden. Nur zusätzliche, neu zugelassene Impfstoffe und die Einbindung der Hausärzte können helfen.

Das Kreisgesundheitsamt sieht sich Corona-Bekämpfung gut gerüstet. Man ist voll digitalisiert, wird aber das Kontakt-Management-System Sormas zeitnah einführen. 180 Mitarbeiter sind seit März 2020 im Zwei-Schichten-System an sieben Tagen mit der Kontaktverfolgung beschäftigt. Dazu gehören 80 Bundeswehrsoldaten, weitere Helfer der Bundeswehr testen in Heimen.  

Mit Blick auf diese Zahlen und Entwicklungen sieht Bürgermeister Schneider „auch in 2021 keine größeren Feste in Langenfeld“.

Haushalt

Bei Stadt und Kreis ist der Haushalt „coronagetrübt“. Langenfeld konnte zwar das Gewerbesteuer-Ziel 2020 erreichen, aber eine aktuelle Umfrage bei 420 Händlern, Gastronomen und Dienstleistern zeigt Probleme. 65 Betriebe antworteten, drei Viertel davon klagen über große Umsatzeinbußen, ein Drittel will sogar dauerhaft schließen. Größtes Ärgernis, die beantragten staatlichen Hilfen kommen nicht an, die Liquidität geht verloren.

Die Irritationen um den städtischen Haushalt scheinen ausgeräumt. „Was können wir uns mit Blick auf die Corona-Folgen noch leisten?“ war die Frage des Bürgermeisters, und offensichtlich waren die seitens der Verwaltung sinnvollen Priorisierungen schon in den ersten Entwurf eingearbeitet, allerdings ohne politische „Vorwarnung“. „Ein Luxusproblem“ nannte Stadtkämmerer Thomas Grieger den Umstand, dass im städtischen Haushalt über Jahre viele Millionen für Projekte enthalten waren, die überhaupt so schnell nicht realisierbar waren. So sollen jetzt acht Millionen Euro in die ohnehin mit 50 Millionen gut gefüllte Rücklage. „Im Ergebnis haben wir jetzt elf von 3.000 Haushaltsansätzen geändert“, so Schneider.

Stadtwerke

Stefan Figge erläuterte seine ersten Erkenntnisse im neuen Umfeld und deutete seine primären Ziele an. Die weitere interne Digitalisierung des Betriebes, eine stärker Kunden-zentrierte Ausrichtung, Stichworte: Service, Erreichbarkeit und Finalisierung des FTTH-Glasfaserausbaus. Er ließ erkennen, dass er für die Stadtwerke nicht nur beim Gas, sondern auch beim Strom Betrieb und Zugang in einer Hand favorisiert. Noch immer gibt es Irritationen und Verzögerungen, weil die Stromleitungen der Westnetz GmbH gehören. Figge ließ erkennen, dass er gerne mit dem Industrieverein gemeinsam, „den Standort Langenfeld stärken“ will.