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6. Video-Konferenz des Industrievereins Langenfeld am 7.Dezember 2020

Aktuelle Infos von Bürgermeister Frank Schneider zur Corona-Lage und zum Haushalt, von Dr. Michael Piontek von Artes Biotechnology in Langenfeld zur Suche nach dem Corona-Impfstoff, von Hermann Wildenhues, Leiter der Postverteilungsstelle, zum Weihnachtsbetrieb bei DHL und der Briefpost usw.

Statt wie in den Vorjahren im festlich geschmückten Saal der Dückeburg war das vorweihnachtliche Zusammentreffen der Vereinsmitglieder nur virtuell möglich. Zum 6. Mal bereits trafen sich, diesmal mehr als 70 IVL-Mitglieder, zur Video-Konferenz. Den traditionellen Jahresrückblick des Vorsitzenden Gerhard Witte hatten sie vorab in Schriftform erhalten.

Bürgermeister Frank Schneider beschrieb die lokale Corona-Situation, die beweise, dass die Einschränkungen im neuerlichen Lockdown light nicht die notwendige Wirkung zeigen. Lockerungen, wie für Silvester angekündigt, hält er für nicht vertretbar, bis die 7-Tage-Inzidenz wieder unter 50 gesunken ist. „Nur dann ist die Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt möglich“. Ihm fehlt die langfristige, über Anfang Januar hinausreichende Strategie des Landes. Erfreulicher sein Ausblick auf die kommunalen Finanzen. Die Zielvorgabe von 55 Mio. Euro für 2020 bei der Gewerbesteuer wird mindestens erreicht. Mit Rücklagen von rund 47 Mio. Euro sieht er die Stadt auch für die erkennbar schlechteren Jahre 2021 bis 2024 gut gerüstet. Allerdings werde sich die Politik von einigen Wünschen verabschieden müssen. Insoweit sehe er gespannt auf die Haushaltsberatungen für 2021; der Entwurf des Haushalts 2021 zeigt schon ein Defizit von 3 Mio. Euro. Die dritte Stufe der Steuersenkungen in 2021 für Gewerbe- und Grundsteuer allein kostet 1,5 Mio. Besorgt zeigte sich Schneider in der andauernden Pandemie speziell um den lokalen Einzelhandel, Gastronomie und Hotels. Die mit Blick auf diese Problemfälle entwickelten Langenfeld-Gutscheine werden gut angenommen, in der ersten Woche verkauften die 50 mitwirkenden Betriebe 10- und 20 Euro-Gutscheine für 10.000 Euro.

Dr. Michael Piontek vom Artes Biotechnology war als Gast zugeschaltet. Der Langenfelder Mikrobiologe gelangte vor einigen Tagen in den Focus der Medien, weil seine Firma, die mit ihrer Technologie bereits einen Hepatitis-B-Impfstoff zur Marktreife brachte, an einem Corona-Impfstoff auf der Basis von Hefezellen arbeitet. Zunächst erklärte Piontek den Unterschied der Impfstoffe: Die jetzt vor der Zulassung stehenden Stoffe von Biotech u.a. sind genbasiert (RNA und DAN). Artes dagegen arbeitet als Dienstleister für internationale Pharmafirmen an Methoden, bei denen der Impfstoff durch Einfügen des genetischen Codes für das Antigen in Hefezellen hergestellt wird. „Wir stellen in Langenfeld keinen Impfstoff her“, macht Piontek deutlich. Mit seinen 25 Mitarbeitern liefert das seit 2007 hier ansässige Werk „nur“ Maschinen und Verfahren, meist für den asiatischen Markt. Die Zuhörer haben viele Fragen an den Fachmann. Die wichtigsten Antworten: Der Impfstoff, an dem Artes arbeitet, wird vermutlich in der 2. Jahreshälfte 2021 zur Verfügung stehen. Die Entwicklung eines Impfstoffs dauert in der Regel fast zehn Jahre, in denen langfristige Nebenwirkungen eher erkannt werden können. Noch nie ist so flächendeckend- wie hier geplant – geimpft worden. Die notwendigen zwei Impfungen pro Person für die Hälfte der Bevölkerung (die impfwillig sind) dauern mindestens über den Sommer 2021. So lange werden Einschränkungen notwendig sein. Bis weltweit wieder Reisen möglich sind, dauert es deutlich länger.

Passend zum Thema Impfstoffe stellt Mathias Schinzel, Prokurist bei Emerson, das amerikanische Unternehmen in einer PowerPoint- Präsention vor. Der Weltmarktführer für Leistungssysteme (auch Kältetechnik!) mit der Niederlassung im Businesspark Katzberg arbeitet neben Chemiefirmen auch für die Pharmaindustrie.

Hermann Wildenhues, Leiter des Postverteilungszentrums in Langenfeld, räumt mit Blick auf das tägliche DHL Paketaufkommen von fast elf Millionen Sendungen ein, dass „Corona ein Brandbeschleuniger für den Internethandel“ war. Er verantwortet die Arbeit in den Paketzentren Krefeld und Rheinberg, die mit insgesamt 750.000 Paketen täglich am Anschlag arbeiten. „Die Sortieranlagen, die sechs Tage 24 Stunden laufen, geben das Tempo vor“. Wildenhues räumt ein, dass die Post jetzt das zweite Weihnachtsfest des Jahres erlebe, nach dem Lockdown im März/April. Mit Ärzten im Betrieb, der Bildung von Kleingruppen und auf Abstand achtenden Corona-Tracern für viele der 600 Mitarbeiter sei es gelungen, Corona-Fälle im Betrieb zu vermeiden bzw. sie wirkungsvoll nachvollziehen zu können. Im Briefzentrum an der Elisabeth-Selbert-Straße werden täglich drei Millionen Sendungen sortiert, allerdings mit rückläufigen Zahlen, aktuell nur noch 80 % früherer Jahre. Als „Corona-Gewinner“ sieht Wildenhues die Post keinesfalls, und verweist auf „hohe Investitionskosten und Kostensteigerungen im Betrieb, bis zu völlig neuen Betriebsstätten“.

Danach schilderte Frank-Eugen Kreienbaum, Inhaber der Fa. Kreienbaum Neoscience GmbH, anschaulich, wie das Vertriebsunternehmen für wissenschaftliche Messsysteme durch die Corona-Krise gekommen ist. Der persönliche Kontakt zu Kunden ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Außendienstler arbeiten aus den Büros. Nach erheblichen Einbußen im ersten Lockdown hofft er letztendlich noch auf ein positives Jahresergebnis.

Zuletzt schilderte Stephanie Krone, die Geschäftsführerin des SkF die durch die Pandemie möglicherweise langfristig entstehenden Probleme bei der Eingliederung von Problemfällen in das Arbeitsleben. „Gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaften“ sind fast nicht mehr vorhanden. VModerator Michael Becher bot dem SkF an, sich bei konkreten Bedarfen mit dem IVL in Verbindung zu setzen.