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4. Video-Konferenz des Industrievereins Langenfeld

Einmal mehr konnten sich die Mitglieder des Industrievereins in einer Videokonferenz austauschen. Schwerpunkte zum Thema „Chancen der Krise“ waren der Stand der Digitalisierung mit dem besonderen Focus auf Schulen und Ausbildung.

Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, unterschied bestehende und beginnende Ausbildungssituationen. Laufende Ausbildungsverhältnisse sind teilweise durch Kurzarbeit erschwert, und die corona-gemäßen Abschlussprüfungen an insgesamt 80 verschiedenen Orten waren eine logistische Herausforderung. Erfreulich, kein Ausbildungsbetrieb hat Insolvenz angemeldet, und vor allem Großbetriebe wollen unverändert ausbilden. Aktuell sind zwar 30 % weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen, Schmitz ist aber zuversichtlich, dass bis zum September die Lücke kleiner wird.  Der Fachkräftemangel und damit auch die fehlenden Azubis sind – so Schmitz – unabhängig von Corona der schon länger beklagten Akademisierung geschuldet. Statt einer Lehre wird eher noch eine weitere Runde auf der Schule gedreht.

Mit Achim Berg, Präsident der Bitkom, war ein hochkarätiger Gast zugeschaltet, der in seiner Präsentation „Digitale Wirtschaft nach Corona“ sowohl Frust über den Ist-Stand der bundesrepublikanisch-digitalisierten Gesellschaft förderte als auch Hoffnung weckte, dass der „Weckruf durch Corona“ endlich gehört wird. „Die Bundesrepublik ist in Sachen Verwaltungsmodernisierung das drittschlechteste Land in Europa“ lautet sein Befund. Corona hat diese Problematik nicht nur beim digitalen Schulunterricht offenbart. An Geld scheitert es nicht; von den Milliarden Euro, die z.B. für die Digitalisierung von Schulen bereitstehen, wurden gerade mal 50 Mio. Euro abgerufen. Länder und Kommunen stehen mit diesem Dilemma nicht alleine. Nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage hat jeder fünfte Mittelständler keine Digitalstrategie, und nur jeder vierte Unternehmer investierte 2020 in Informations- und Kommunikationstechnik. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass „eine sechsstellige Zahl von Fachkräften fehlt“; entsprechend erklärten nur drei Prozent der Firmen, dass ihre ITK-Zurückhaltung finanzielle Gründe hat, während 41 Prozent keine geeigneten Mitarbeiter finden. Berg hofft, dass mit den Erkenntnissen aus der Krise einige andere Regelungen geändert werden, Stichworte Wochenarbeitszeit statt starren Arbeitszeiten, Steuerliche Begünstigung von Homeoffice. Zum Schluss warb er für den im Konjunkturpaket enthaltenen „Digitalgutschein“, der kleinen, mittelständischen Firmen mit bis zu 10.000 € hilft, die Digitalisierung voranzutreiben.

Arndt Kwiatkowski, der 2008 das Mathematik-Lernportal Bettermarks gründete, beschrieb die adaptive Lernmittel-Plattform für alle 4. bis 11. Klassen an allen Schulformen und in allen Bundesländern. Das Beispiel zeigt, dass es bereits weitentwickelte Formen des digitalen Lernens gibt, die (nur) mit der notwendigen Entschlossenheit auch genutzt werden müssten.

Final konnte Bürgermeister Frank Schneider über einen, allerdings nachrangigen, Zuschuss von 200.000 € für den inhabergeführten Einzelhandel und die Gastronomie in Langenfeld berichten. Dabei gehe es „nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um die stadtbildprägende Vielfalt von Geschäften und Lokalen“, also die Vermeidung von Leerständen. Die Gespräche mit vielen steuerzahlenden Firmen stimmen Schneider optimistisch, dass die Stadt die Corona-Krise mit einem Gewerbesteuerminus von 10 bis 15 Prozent übersteht, aus seiner Sicht „ein Erfolg der branchenübergreifenden Ansiedlungen“.