Viele Firmen beklagen Exporteinbrüche

Viele Firmen beklagen Exporteinbrüche

Die Auslandsnachfrage auch aus China sinkt. Bei Schmees in Langenfeld gab es bereits Kurzarbeit.


Langenfeld/Monheim Konjunkturschwäche? Russland-Embargo? Exporteinbruch, allein im August 5,8 Prozent ? Die von Bundesregierung und Statistischem Bundesamt in den letzten Wochen genannten Zahlen finden in befragten Firmen des Südkreises teilweise Bestätigung.

„Wir beobachten ein Nachlassen der Konjunktur, bereits seit Oktober 2013“, bestätigt Clemens Schmees, Geschäftsführer der gleichnamigen Edelstahlwerke, „auch in Langenfeld, mehr noch am Standort Pirna.“
2013 war ein sehr gutes Jahr für die Gießerei, „2014 kann man dagegen abhaken. Und die Prognose für 2015 ist reine Kaffeesatzleserei.“ Im ersten Halbjahr 2014 war am Langenfelder Rudolf-Diesel-Weg sogar schon
Kurzarbeit angesagt.

Die Ursachen sind nicht eindeutig, denn es trifft nicht alle Sparten des Maschinenbaus. „Die Nachfrage aus China hat zum Beispiel nachgelassen, einzelne andere Kunden leiden unter dem Wegfall ihrer
Russland-Aufträge“, so Schmees, der mit Blick auf die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt jedoch keinesfalls pessimistisch ist.

„Alles läuft rund“ oder „die Zeichen stehen nicht auf Sturm“ sagen hingegen andere exportabhängige Maschinen- und Anlagenbauer in Monheim oder Langenfeld. Sie wollen allerdings nicht namentlich genannt werden. „Nicht nennenswert schlechter“, kommentiert auch Vorstandsmitglied Theo Schmies vom international agierenden örtlichen Schuhproduzenten Ara-Shoes die aktuelle Lage.

„Schwankungen in den Umsatzzahlen sind normal“. Dem um 30 bis 40 Prozent deutlich eingebrochenen Russland-Geschäft stehen verstärkte Nachfragen aus europäischen Märkten gegenüber. Frankreich läuft sehr gut, ebenso Österreich und die Benelux-Staaten. Herbst- und Winter-Ware wurde ebenso nachgefragt wie die jetzt schon in Arbeit befindliche Frühjahr-/Sommer-Kollektion. Ob der Verkauf von Schuhen als Indikator für Konjunktur-Prognosen genutzt werden kann, sei allerdings fraglich. Vielleicht werden in einer Krise sogar mehr Schuhe gekauft, „wenn es für die neue Küche oder das neue Auto reicht, gönnt man(n), frau sich wenigstens ein paar schicke Schuhe“, orakelt Schmies.

Auch Orthomol aus Langenfeld liefert seine Nahrungsergänzungsmittel an Vertriebspartner in 18 Länder. Die Umsatzzahlen wachsen kontinuierlich. Es gebe keine Auffälligkeiten in jüngster Zeit, heißt es dort. „Der Export entwickelt sich weiter positiv“, umschreibt die Orthomol-Pressesprecherin Kristina Streuf die bisherigen Zahlen in 2014.

Kritischer sieht Peter Dücker die Situation. Der Langenfelder Spezialist für Fördertechnik beobachtet weltweit „beim Export einen Einbruch“. Für die Langenfelder Spezialisten sind die Billiganbieter aus Südostasien ein Ärgernis, „weil sie trotz minderwertiger Qualität Aufträge wegnehmen und zusätzlich das
Preisniveau kaputt machen“.

Bei Beoplast, Lieferant von technischen Kunststoffbeateilen, die 90 Prozent ihrer Aufträge an die Automobilindustrie liefern, liegt der Exportanteil der Produktion sogar bei 60 Prozent. „Von einer seit einigen Wochen thematisierten weltweiten Krise – sowohl bei den Autobauern als beim deutschen Export – ist hier nichts zu spüren, wir sind nach wie vor auf hohem Niveau ausgelastet“, freut sich Geschäftsführer Theo Besgen.

Von Martin Mönikes

Erscheinungsdatum: 20.10.2014
Rheinische Post, Lokalteil Langenfeld/Monheim