Bitkom-Präsident Achim Berg zu Gast beim Industrieverein Langenfeld

Bitkom-Präsident Achim Berg zu Gast beim Industrieverein Langenfeld


Zur diesjährigen Mitgliederversammlung des Industrievereins Langenfeld konnte Vorsitzender Gerhard Witte Achim Berg, den Präsidenten des IT-Branchenverbands Bitkom, als Referenten gewinnen. Berg, früher Microsoft Deutschland – Chef und  Mitglied verschiedener Aufsichtsräte, ist seit Mitte voriger Woche auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Im weihnachtlich geschmückten Saal der Dückeburg erledigte der langjährige Vorsitzende die notwendigen Formalien der Jahresversammlung bekannt zügig. Wittes Jahresrückblick auf die Arbeit des IVL war bereits vorab als Anlage zur Einladung verteilt worden. Für 2018 nannte er die bereits konkreten Stammtisch-Termine und die für Juli geplante Berlin-Reise. Er schloss mit ausdrücklichem Dank an die Vorstandsmitglieder für ihre engagierte Mitarbeit.

Dann stimmte Gerhard Witte die rund 90 Zuhörer auf den Vortrag von Achim Berg ein. Er, selbst Technik-Freak, kündigte „nachdenklich machende Thesen“ an. Der rund einstündige Vortag unter der Überschrift „Die Geister, die ich rief!“ beschäftigte sich facettenreich mit den Folgen der Digitalisierung. Berg blickte – gestützt auf Filme, Statistiken und Diagrammen – auf die konkreten Veränderungen bei Arbeitsplätzen, im täglichen Leben, bei der Gesundheit usw., bis hin zu ethnischen und politischen Fragestellungen.

Die rasanten Entwicklungen basieren primär auf der Möglichkeit, immer mehr Daten (die wir ständig freiwillig hinterlassen) zu sammeln und mit höchster Geschwindigkeit zu verknüpfen. Damit gelingt es z.B. die Sensorik von Robotern oder die Spracherkennung zu optimieren und ermöglicht letztendlich künstliche Intelligenz, wie selbstlernende Computer.

Berg warnte die Geschäftsleute davor, die Geschwindigkeit der weiteren Entwicklung zu unterschätzen „Wachstum ist nicht linear, sondern exponentiell, immer schneller“. Er erinnerte beispielhaft daran, dass es 38 Jahre gedauert habe, bis die neue Erfindung „Radio“ 50 Millionen Nutzer hatte, Twitter erreichte diesen Wert in neun Monaten, bei Pocemon dauerte es wenige Tage. Plattformen, deren Geschäftsmodell  der Datenaustausch ist, sind – so Berg – die wertvollsten Marken, „obwohl der Taxi-Dienst Uber kein einziges Auto, Airbnb keine Immobilie und Flixbus nur einen Bus besitzt“.

Düster waren Bergs Thesen zur Notwendigkeit bestimmter Berufe in 20 Jahren, „rund 90 Prozent der Buchhalter, Steuerberater, Taxifahrer oder Einzelhandelskaufleute werden vermutlich  nicht mehr benötigt“. Beim Blick in die Zukunft machten die medizinischen Anwendungen Hoffnung: Notaufnahmen, deren Performance um 30 Prozent steigt, E-Tattoos am Körper, die drohende Schlaganfälle Stunden vorher melden, oder Blinde, die infolge mit dem Hirn verbundener Spezialbrillen wieder sehen können.

Die aktuelle Lage sieht BDI-Vize Berg kritisch, „die Digitale Bildung muss verstärkt werden, durch die Regierungskrise verlieren wir bei entscheidungsreifen Projekten ein weiteres Jahr“. Es fehlen 55.000 IT-Spezialisten, und „die Versorgung mit Glasfasernetzen ist in Deutschland im europaweiten Vergleich völlig unzureichend“.

Die folgende Diskussion zeigte, dass die Zuhörer die Thesen Bergs gleichermaßen spannend wie erschreckend fanden. Jedenfalls gab es reichlich Gesprächsstoff beim rustikalen Abend-Imbiss.

Info: Bitkom
Bitkom vertritt mehr als 2.500 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon 1.700 Direktmitglieder. Sie erzielen mit 700.000 Beschäftigten jährlich Inlandsumsätze von 140 Milliarden Euro und stehen für Exporte von weiteren 50 Milliarden Euro. Zu den Mitgliedern zählen 1.000 Mittelständler, mehr als 400 Start-ups und nahezu alle Global Player. Sie bieten Software, IT-Services, Telekommunikations- oder Internetdienste an, stellen Hardware oder Consumer Electronics her, sind im Bereich der digitalen Medien oder der Netzwirtschaft tätig oder in anderer Weise Teil der digitalen Wirtschaft. 79 Prozent der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, weitere 9 Prozent kommen aus Europa, 8 Prozent aus den USA. 4 Prozent stammen aus Asien, davon die meisten aus Japan. Bitkom fördert die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft und setzt sich insbesondere für eine innovative Wirtschaftspolitik, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik ein.

 

 

Quelle: Rheinische Post, Lokalteil Langenfeld/Monheim, 11.12.2017

Achim Berg und Gerhard Witte ©Control€xpert

v.l. Gerhard Witte, Achim Berg, Andreas Friesch (Thermomix), Stefan Riedel (IBM) ©Control€xpert

Blick in den Veranstaltungssaal der Dückeburg ©Martin Mönikes

Blick in den Veranstaltungssaal der Dückeburg ©Martin Mönikes